Tierarzt München - Tierarztpraxis Dr. Claudia Möller

Kleintierpraxis
Dr. med. vet. Claudia Möller

Schmerztherapie - Ihre Kleintierpraxis in München Ramersdorf

Wie erkenne ich Schmerzen bei meinem Haustier?

"Egal ob Mensch oder Tier: Wer Schmerzen hat, sollte behandelt werden. So einfach, aber auch so schwierig ist das."

(Zitat: ITIS: Initiative tiermedizinischer Schmerztherapie)

 

Sie haben Angst vor den Nebenwirkungen von Schmerzmitteln, möchten keinen "unnötigen" Medikamenteneinsatz?

 

"Die negativen Folgen von Schmerzen, wie z.B. gestörte Wundheilung, Immunsuppression, Durchblutungsstörungen, Inappetenz, Inaktivität, Muskelatrophie oder vermehrter Rezidivbildung (Rückfallquote, Anm. d. Autors) bei Tumoren stehen in keinem Verhältnis zu dem vermeintlich "positiven Effekt" einer mit Schmerzen einhergehenden "natürlichen Schonhaltung" des Tieres. (Zitat: ITIS)

 

Im Folgenden einige "Schmerzzeichen" unserer Haustiere, danach folgen 2 längere Artikel über Schmerzen beim Hund und bei der Katze.

 

 

Schmerzen beim Haustier behandeln. Beratung in der Kleintierpraxis Dr. Möller in München Ramersdorf, Nähe Giesing, Haidhausen und NeuperlachSchmerzanzeichen bei Heimtierpatienten

(Dr. Stefan Gabriel)

 

übrigens: Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster, Ratte und Co vertragen Schmerzmittel in der Regel ausgezeichnet!

 

 

- Herabgesetzte Aktivität

- Verstecken in Häuschen

- Apathie/ Teilnahmslosigkeit

- Appetitlosigkeit

- Gewichtsverlust

- Ungepflegtes, gesträubtes Fell

- Brillenaugen, rotes Augensekret bei Ratten

- Fressen ungeniessbarer Dinge

- Selbstverstümmelung

- Angespannte Körperhaltung

- Aufkrümmen

- Flachliegen

- Trippeln, verspannter Gang, Entlastungshaltung

- Spitze Schreie im Hochfrequenzbereich

- Ausgeschlossen werden durch die Gruppe

- Absondern

- Aggression

 

Schmerzanzeichen bei der Katze

- Abwehr

- Aggression

- Berührungsempfindlichkeit

- Eingezogene Kopfhaltung

- Kauern

- Zusammengekniffene Augen mit einem V dazwischen

- Geduckte Haltung

- Mangelnde Körperpflege

- Teilnahmslosigkeit

- Bewegungsunlust

- Appetitlosigkeit

- Fehlender Spieltrieb

- Belecken schmerzhafter Region

- veränderter Gang, Lahmheit

 

 

Schmerzanzeichen beim Hund

- Lahmheit

- Aggression

- Plötzliches Schnappen

- Inaktiv

- Plötzlicher Ungehorsam

- Aufgezogener Bauch

- Veränderte Körperhaltung (z.B. Gebetsstellung), aufgekrümmter Rücken

- Keine Fellpflege

- Mangelnder Appetit

- Selbstbenagen, Belecken

- Gesenkter Kopf/Hals

- Blick zur schmerzhaften Region

- Lautäußerung

- Wälzen

 

 

Schmerzen bei Hund & Katze erkennen und behandeln

Die Motivation für den Besuch einer Tierarztpraxis kann bei Hundehaltern sehr unterschiedlich sein. Da gibt es den besorgten Hundehalter, der auch sehr eigenverantwortlich mit seiner eigenen Gesundheit umgeht und die bestmögliche Vorsorge und Therapie für seinen Hund wünscht. Andere sehen in regelmäßigen Impfungen, Entwurmungen und der notwendigen Behandlung gesundheitlicher Störungen eine absolut ausreichende medizinische Versorgung. Eine dritte Gruppe sucht die Hilfe des Tierarztes nur dann, wenn ihr Hund sichtlich krank ist. Allen aber ist gemeinsam, dass sie nicht möchten, dass ihr Hund Schmerzen erleiden muss.


„Quäle nie ein Tier zum Scherz, denn es spürt wie Du den Schmerz"

Als liebender Tierhalter sind Sie natürlich bereit, anzuerkennen, dass das, was Ihnen selbst Schmerzen verursacht, auch bei Ihrem Hund Schmerzen hervorruft.
Dass dieser Analogieschluss nicht selbstverständlich ist, belegen die zahlreichen Diskussionen, die sich die Wissenschaft über das Thema „Schmerzen bei Tieren" in der Vergangenheit und auch heute noch liefern.
Das liegt in erster Linie natürlich daran, dass Tiere nicht verbal mit uns kommunizieren können. Sie können uns nicht mit Worten sagen, ob sie Schmerzen haben oder ein anderes Unlustgefühl, wie zum Beispiel Übelkeit oder Schwindel sie quält.
Viele Hunde zeigen chronische Schmerzen häufig kaum oder nur indirekt. Daher ist es enorm wichtig für ihre Halter und selbstverständlich auch für Tierärzte genaue Kenntnisse über das normale Verhalten gesunder Hunde zu besitzen. Nur wenn auch noch so geringfügige Änderungen im Verhalten auffällig werden, können daraus auch eventuell zugrunde liegende Schmerzzustände erkannt und behandelt werden.
Daher fordern die tierärztlichen Berufsverbände die Tierärzte dazu auf, Schmerzen bei ihren Patienten in der gleichen Weise zu behandeln, wie es in vergleichbaren Situationen bei Menschen üblich ist.
Dass dies bei akuten Schmerzen, beispielsweise nach einer Operation, selbstverständlich ist, erwartet ein verantwortungsbewusster Hundefreund zu Recht. Wir werden jedoch später sehen, dass chronische Schmerzen bei Hunden oder Phänomene wie das so genannte „Schmerzgedächtnis" bereits viel schwierigere Fragen aufwerfen und großes Einfühlungsvermögen verlangen.
In alle Deutlichkeit möchte ich Sie jedoch darum bitten, anzuerkennen, dass Ihr Hund bei gleichen Erkrankungen auch vergleichbare Schmerzen fühlt, wie Sie, auch wenn er es Ihnen vielleicht nicht so deutlich zeigt.

 

Die Schutzfunktion des akuten Schmerzes
Es gibt eine internationale Vereinigung zum Studium des Schmerzes (IASP), deren Existenz bereits verdeutlicht, dass es - auch beim Menschen - noch viele ungeklärte Fragen zu diesem Thema gibt. Die IASP definiert das Phänomen Schmerz als „ eine unangenehme sensorische und emotionale Erfahrung, die von einer vorhandenen oder potentiellen Gewebeschädigung hervorgerufen wird". Daher wurde der Schmerz im antiken Griechenland auch als „bellender Wächter der Gesundheit" bezeichnet. Das mag für den akuten Schmerz zutreffen. Erfahrungen mit einer unleidigen Katze machte schon so mancher Hund und der Schmerz bewahrte ihn vor zukünftigen Verletzungen. Er hat also eine wichtige Schutz- und Schonfunktion, denn auch verletzte Gliedmassen werden weitestgehend geschont.
Allerdings nicht in dem Maße, wie wir Menschen das tun würden. So kennt der Hund zum einen nicht den Nutzen einer Schonung und zum anderen möchte er - als Wolfsahne - nicht unbedingt als Invalide auffallen. Erschwerend kommt hinzu, dass Hunde eben sehr unterschiedlich sein können. Der kleine Schauspieler, der getragen werden möchte und Mitleid erregend sein Pfötchen hebt, obwohl ihm nichts fehlt, ist ebenso in der Praxis anzutreffen wie der tapfere Riese, der kein Aufhebens von seinem Rückenleiden macht und still leidet. Manche Hunde sind so steif vor Angst, dass sie beim Tierarzt auch unter großen Schmerzen nicht einmal mit den Muskeln zucken.

 

Angst und Schmerzen
Der Schmerz hat unterschiedliche Gesichter: wir kennen den scharfen, stechenden Schmerz bei Verletzungen oder Entzündungen der Haut, den kutanen Schmerz. Eher dumpf und ziehend ist dagegen der so genannte viszerale Schmerz. Dieser Eingeweideschmerz betrifft die inneren Organe und ist häufig schwer zu lokalisieren. Wächst beispielsweise ein Tumor in der Leber, dann wird die Organkapsel gedehnt und durch Größenzunahme werden die anderen Eingeweide verdrängt. Er verursacht einen anhaltenden Tiefenschmerz.
Wenn ein Gewebe verletzt wird, nehmen Schmerzrezeptoren, die Nozizeptoren, den Reiz auf und leiten ihn mit Hilfe von Nervenimpulsen weiter über das Rückenmark an das Gehirn. Wie stark eine Gewebeschädigung, sei es durch Hitze, Kälte oder eine Verletzung, sein muss, um die Nozizeptoren zu reizen, ist bei allen Säugetieren in etwa gleich. Das wissen wir aus der vergleichenden Anatomie, Physiologie und Psychologie.
Anders dagegen verhält es sich mit der Schmerztoleranzschwelle. Die ist individuell sehr verschieden. So wie ein Mensch bei einem Tritt gegen das Schienenbein tapfer keine Miene verzieht, während der nächste beim gleichen Tritt bereits weint, so individuell ist auch die Schmerztoleranzschwelle unserer Hunde. Ein und dieselbe Injektion wird von Hunden entweder ohne zu Zucken ignoriert oder mit Schreien und Jaulen quittiert. Daher verhalten sich Hunde beispielsweise bei der Impfung häufig sehr unterschiedlich.
Was wir beobachten können, ist lediglich die Reaktion auf einen Reiz. Vom Verhalten des Hundes schließen wir, dass es schmerzhaft gewesen sein muss. Wir erkennen den Schmerz nur am Verhalten des Hundes und das ist zum einen von seiner Schmerztoleranzschwelle, aber auch - und das ist wenigen bewusst - von seiner jeweiligen Gemütsverfassung abhängig.
Wechseln Sie beispielsweise Ihre Tierärztin und Ihr Hund reagiert deutlich weniger auf die Impfung als beim letzten Mal, so könnten Sie meinen, die neue Tierärztin ist sanfter im Verabreichen von Spritzen als ihre Vorgängerin. Auch wenn das Lob schmeichelt, es können die Umstände sein, die dafür verantwortlich sind, nicht die Spritztechnik. Vielleicht wurde Ihr Hund anlässlich der letzten Impfung bereits im Wartezimmer durch langes Warten und andere Hunde oder bestimmte Gerüche gestresst. Dadurch ist seine Schmerztoleranzschwelle deutlich gesunken und die Impfung löst Abwehr- oder Meideverhalten aus.
Angst und Stress fördern Schmerzen. Diese negativen Gefühle soweit es geht zu verhindern oder gar abzubauen ist daher eine wichtige Maßnahme, Schmerzen zu lindern.
Termine für ängstliche Kandidaten, die lange Wartezeiten verhindern sind ebenso sinnvoll, wie eine ruhige, warme Umgebung und liebevoller Umgang mit den Patienten vor und nach Operationen. Bei kleineren schmerzhaften Eingriffen am nicht narkotisierten Patienten, wie zum Beispiel einer Krallenbehandlung, lohnt es sich darüber nachzudenken, ob die Besitzer sehr ängstlicher Hunde daheim besser ein Beruhigungsmittel verabreichen, damit Angst und Schmerz sich nicht summieren.


Chronische Schmerzen und Schmerzgedächtnis

Eine große Herausforderung ist es, chronische Schmerzen bei einem Hund überhaupt zu erkennen. An dieser Stelle muss auch das Phänomen „Schmerzgedächtnis" erwähnt werden. Dauert ein akuter Reiz an einem Schmerzrezeptor etwas länger, so kann binnen kürzester Zeit eine Art „Schmerzbahn" zum Gehirn entstehen. Wir erinnern uns, dass Schmerzrezeptoren einen Reiz über Nervenimpulse an das zentrale Nervensystem weiterleiten. Dabei werden die Schmerzrezeptoren sensibilisiert. Sie können sich durch die erlebten Schmerzen vermehren und vergrößern. Darüber hinaus gehen spezielle, den Schmerz hemmende Nervenzellen durch erlittene Schmerzen teilweise unter. Die Folgen: es kommt zu einer dauerhaften Steigerung des Schmerzempfindens. Körpereigene Botenstoffe (Leukotriene) und spontane genetische Veränderungen spielen hierbei eine große Rolle. Diese Umformungsprozesse werden „neuroplastische Veränderungen des zentralen Nervensystems genannt". Sie bilden die Grundlage des chronischen Schmerzes. Hier hat der Schmerz seine Funktion als „bellender Wächter" verloren. Er kläfft sozusagen ohne Unterlass und wird zu einer eigenständigen Plage, einem krankhaften, nutzlosen und schwächendem Krankheitsbild.
Noch schlimmer: der „Phantomschmerz", also ein Schmerz der dem Gehirn gemeldet wird, ohne dass das betreffende Körperteil überhaupt noch vorhanden ist. Der Phantomschmerz kann beispielsweise auch bei Hunden vorkommen, denen ein Bein oder der Schwanz amputiert werden musste.
Chronische Schmerzen sind bei Hunden nur durch genaue Beobachtung zu erkennen, da sie Monate oder Jahre anhalten und sich das Verhalten des Hundes ganz allmählich verändert.
Die Reaktion eines Hundes auf diesen lang anhaltenden Reiz ist abhängig von seiner individuellen Schmerztoleranzschwelle. Je länger die Schmerzen anhalten, desto mehr verändern sich die den Schmerz aufnehmenden und weiterleitenden Strukturen und umso schlimmer werden die Schmerzen.
Alles, was wir bei einem Hund wahrnehmen, ist lediglich seine Reaktion. Die subjektive Komponente ist uns verschlossen. Wie stark der Schmerz ihn quält bleibt uns verborgen.
Die Veränderbarkeit des Nervensystems durch Reize führt dazu, dass alleine eine Berührung, ganz ohne Schädigung des Gewebes oder sogar ein fehlendes Körperglied als schmerzhaft empfunden werden kann. Kommen dann noch psychische Stressfaktoren hinzu, wird alles noch schlimmer. Immerhin zeigen bei chronisch schmerzkranken Menschen neu entwickelte Psycho- und Verhaltenstherapien erstaunlich gute Erfolge. Ich schließe daraus, dass auch ein glücklicher Hund Schmerz besser ertragen kann.


Warum wir Schmerzen bekämpfen müssen
Es gibt viele Gründe, Schmerzen zu bekämpfen und es gibt Gründe, Schmerzen als sinnvoll und wichtig hinzunehmen. So zum Beispiel, wenn sie vor drohendem Schaden bewahren.
Aber wenn sich die ursprünglich sinnvollen, physiologischen Schmerzen durch neuroplastische und chemische Vorgänge zum eigenständigen Krankheitsbild der Chronischen Schmerzen entwickeln, richten sie nur noch Schaden an. Sie rauben dem Körper Energie, die er dringend für seine Wiederherstellung benötigt. Schmerzende Wunden werden benagt und beleckt und heilen schlechter. Selbst die Sterblichkeitsrate bei großen Operationen erhöht sich bei unzureichender Schmerzbekämpfung.
Wissend, dass ein Dauerschmerz sich immer weiter hochschaukeln und in krankhafter Weise entarten und verselbständigen kann, ist es folglich eine ethisch selbstverständliche Forderung, Schmerzen so weit als nur irgend möglich zu verhindern oder zu lindern.
Das gilt für den Menschen, den Hund und alle anderen Geschöpfe. Leider vergessen manche Menschen in dieser Beziehung, dass Ethik nicht teilbar ist und unterscheiden zwischen so genannten „Bratpfannenaspiranten" und ihren Hausgenossen. Dass natürlich auch Kühe und Geflügel ein ausgeprägtes Schmerzempfinden haben, darüber möchte der Tierfreund und Hundhalter am liebsten nicht nachdenken! Selbst Miesmuscheln reagieren, werden sie mit Zitronensaft beträufelt, mit der Ausschüttung von Endorphinen. Endorphine sind auch den Säugetieren innewohnende körpereigene Substanzen, die einzig dem Zweck dienen, Schmerzen erträglicher zu machen!
Schmerzschwelle, Schmerztoleranzschwelle, Schmerzgedächtnis...- dies mag etwas kompliziert klingen, das Wissen darum ist jedoch von großem Nutzen, will man seinem Hund Schmerzen ersparen. Neben der Früherkennung von Krankheiten ist eines der wichtigsten Argumente für regelmäßige Kontrolluntersuchungen des Hundes das Entlarven versteckter Schmerzzustände. Rückenschmerzen werden häufig im Rahmen der jährlichen Impfuntersuchung aufgedeckt und nicht selten ist die Überraschung für die Hundehalterinnen/die Hundehalter groß.
Gerade bei schmerzhaften Arthrosen und Rückenbeschwerden wird die zunehmende Trägheit des Hundes gerne auf das Alter geschoben. „Er wird eben alt", heißt es dann. Werden die Bewegungsschmerzen aber erkannt und gezielt behandelt, gar noch gekoppelt mit einem Diätprogramm, so kann es eine Freude sein, die „Verjüngung" des Hundes zu erleben. Sehr häufig leiden - besonders große Hunde - gleichzeitig unter einer Schilddrüsenunterfunktion- welche zu Dickleibigkeit führt - und Arthrosen. Das „Lauftier" Hund wird zum fressenden „Faultier": Fett sammelt sich an, die die Gelenke stabilisierende Muskulatur wird abgebaut, die Gelenke werden mehr belastet, der Schmerz wird größer, der Teufelskreislauf ist perfekt. Es ist eine Freude zu beobachten, welch positive Veränderung diese Hunde erfahren können, wenn ihnen eine Schilddrüsen- und Schmerztherapie zukommt. Sie bewegen sich, weil schmerzfrei und lebhafter wieder mehr, nehmen dadurch leichter ab, was wiederum den Bewegungsapparat entlastet und, siehe da, fangen oft wieder an zu spielen oder lange Spaziergänge zu genießen. Was will man mehr!


Möglichkeiten der Schmerzerkennung bei Hunden

Aber wie lassen sich Schmerzen feststellen und wie lässt sich der Schmerzgrad messen. Selbst beim Menschen, der sich doch klar äußern kann, gibt es eine Reihe verschiedener Verfahren die Stärke des Schmerzes zu messen (Algesimetrie). Verschiedene Verfahren bedeutet in der Regel: optimal ist noch keines. Auf dem Weg von der den Schmerz empfangenden Zelle bis zum Gehirn, in dem der Schmerz bewusst wird, kann viel passieren. Von außen ist dieser Vorgang nicht erkennbar. Das Fühlen ist subjektiv und kann damit nicht objektiv gemessen werden. Für Schmerz geplagte Menschen gibt es solche Skalen, dreidimensionale Skalen, visuelle Analogskalen und vieles mehr. Wie aber sollen Schmerzen beim Hund erkannt, eine Schmerztherapie geplant und ihr Erfolg kontrolliert werden?
Sie und Ihr Tierarzt haben folgende Möglichkeiten: beim akuten und starken Schmerz zeigt Ihnen der Hund, dass es weh tut. Er jault, er möchte sich an einer bestimmten Stelle nicht berühren lassen, er benagt oder beleckt diese Stelle oder er lahmt und schont dadurch eine schmerzende Gliedmaße offensichtlich. Übrigens wird die Wirkung eines Schmerzmittels beim Hund von der Pharmaindustrie dadurch überprüft, dass sie Hunde auf einem Band laufen lassen, welches auf das Gramm genau die Belastung des betroffenen Beines misst.
Bei besonders tapferen Patienten achte ich bei der Untersuchung vor allem darauf, ob sie mit der Zunge über die Nase lecken oder ihre Muskulatur anspannen, wenn ich den Körper abtaste. Dies sind in der Praxis häufig die einzigen Schmerzreaktionen, vor allem, weil aufgeregte und ängstliche Hunde generell berührungsempfindlich sind. Weite Pupillen, Herzrasen, beschleunigte Atmung und Schweißpfoten können durch Schmerzen, aber genauso gut durch Aufregung hervorgerufen werden. Hier ist die Unterscheidung unter Praxisbedingungen oft schwierig, so dass im Einzelfall der Hundehalter nach Anleitung daheim selbst noch einmal entsprechend untersuchen sollte.
Dezente Schmerzen, beispielsweise nach der Kastration einer Hündin sind etwas schwieriger zu kontrollieren. Hier zählt die Druckempfindlichkeit der Wunde. Früher, als Schmerzmittel in der Tiermedizin noch vernachlässigt wurden, litten Hündinnen nach der Kastration häufig unter Verstopfung. In Zeiten einer Operationen begleitenden Schmerzbehandlung sind diese viel seltener geworden. Das Ausscheidungs- und Fressverhalten, sowie die Aktivität beziehungsweise Inaktivität sind ebenfalls wichtige Kriterien bei der Entscheidung, ob ein Hund unter Schmerzen leidet.
Chronische Schmerzen können sich auch in einer Veränderung beispielsweise des Sozialverhaltens, des Gehorsams oder als Depression oder zunehmende Aggressivität äußern. So wurde die zunehmende Aggressivität der Zwingerhunde häufig auf das Alter geschoben. In Wirklichkeit litt der Wachhund unter ständigen Hüftschmerzen. Klar, dass er dann aggressiv wird!

 

Wo tut´s am meisten weh?
Die unterschiedlichen Organe und Gewebe sind auch sehr unterschiedlich schmerzempfindlich. In zahlreichen Untersuchungen konnte herausgefunden werden, welche Körperteile besonders sensibel und welche eher unempfindlich sind. Auch aus diesen physiologischen Gegebenheiten kann ein Tierarzt Rückschlüsse auf den Grad der Schmerzen eines Hundes ziehen. Der Kopf- und Analbereich sowie der Brustkorb und der vordere Bauchbereich sind besonders schmerzempfindlich. Die Wirbelsäule, der hintere Bauchbereich und die Gelenksregionen sind mäßig schmerzempfindlich und der Schwanz beispielsweise ist relativ unempfindlich. Das Alter des Hundes spielt übrigens keine Rolle! Entgegen früherer Meinungen ist bekannt, dass Welpen ebenso - wenn nicht sogar mehr - schmerzempfindlich sind wie erwachsene Hunde, sie reagieren nur anders.
Das Wissen um die unterschiedliche Sensibilität der verschiedenen Körperteile kann also sehr gut zur Beurteilung herangezogen werden, wenn es darum geht zu entscheiden, ob und wie sehr ein Hund unter Schmerzen leidet. So enthält die Hornhaut 300 bis 600 Mal mehr Nervenzellen als die Körperhaut. Auch die Nervenzellen der Zahnhöhle übertreffen bei weitem die der Haut, bis zum vierzigfachen! Die äußere Haut ist ebenfalls sehr sensibel gegenüber Schmerzreizen, aber noch empfindlicher sind innere Häute, die serösen Membranen. Sie kleiden die Körperhöhlen aus und überziehen die Organe. Innere Organe und die Muskulatur reagieren besonders auf Zustände, bei denen die Blutversorgung unterbrochen wird mit Schmerzen. Koliken oder Muskelkrämpfe sind die Folge und können höchst unangenehm sein. Das Knochengewebe und die Gelenke sind im Allgemeinen nicht so empfindlich, es sei denn, es herrschen starke Entzündungen in diesen Strukturen, wie es beispielsweise bei der Hüftgelenksdysplasie der Fall ist. Dagegen verhalten Nervengewebe sich sehr unterschiedlich: während die äußerlich gelegenen Nerven und das Rückenmark sehr sensibel sind, ist das Gehirn wenig empfänglich für Schmerzreize. Die bei Bandscheibenvorfällen oder Rückenproblemen auftretenden Nervenreizungen sind also sehr schmerzhaft. Beispiele hierfür sind die Sponylose (knöcherne Zubildungen an der Unterseite der Rückenwirbel) oder die Cauda equina (Einengung der letzten Lendenwirbel mit Druck auf das Rückenmark).

 

Neue Waffen im Kampf gegen Schmerzen
Momentan findet in der Schmerzbekämpfung bei Hunden eine kleine Revolution statt. Morphine, mitunter die leistungsfähigste Gruppe bei den Schmerzmitteln, die wir kennen, werden zunehmend auch bei Hunden eingesetzt. Morphine wirken besonders gut auf Eingeweide- und Tumorschmerzen und sind hierbei allen anderen Schmerzmitteln überlegen. Morphine gehören arzeneimittelrechtlich zu den Betäubungsmitteln und dürfen daher nur von Ärzten verschrieben werden.
Am häufigsten werden bei den Hunden Schmerzmittel eingesetzt, die wir „Nichtsteroidale Entzündungshemmer" (NSAID = nonsteoridale inflammarory drug = Entzündungshemmer, die nicht auf Kortisonbasis hergestellt werden) nennen. Sie hemmen bestimmte Substanzen (Prostaglandine), die bei der Entstehung von Entzündungen und Schmerzen von Bedeutung sind. Bitte geben Sie Ihrem Hund nicht irgendein Schmerzmittel, das Sie selber nehmen. Nicht immer, aber häufig, sind die für den Gebrauch am Menschen bestimmten Schmerzmittel unverträglich für Hunde. Nebenwirkungen äußern sich vor allem in Magen- und Darmbeschwerden, wie einige Studien belegen. So ist Paracetamol beim Hund nur sehr kurz und unzureichend wirksam und schädigt vor allem die Leber des Junghundes. Letzteres gilt auch für die Acetylsalicylsäure, die besonders magenunfreundlich für Hunde ist und die Blutgerinnung hemmt. Diclofenac darf beim Hund niemals angewendet werden, da es innerhalb kürzester Zeit zu Magengeschwüren führen kann.
Bei der Verabreichung der für den Hund zugelassenen Nichtsteroidalen Entzündungshemmer ist die genaue Dosierung sehr wichtig. Jungtiere bis zum dritten Lebensmonat müssen niedriger dosiert werden, da die Leber noch nicht so gut arbeitet. Bis zum sechsten Lebensmonat dagegen ist die Dosierung höher zu wählen, weil die Leber auf Hochtouren arbeitet. Nieren- oder leberkranke Hunde erfordern eine individuelle Dosierung oder es muss auf Morphine zurückgegriffen werden, da diese die geringste Nebenwirkung auf diese Organsysteme haben. In schweren Fällen können Morphine oder Codein auch mit Nichtsteoridalen Entzündungshemmern kombiniert werden.
Es reicht allerdings nicht aus, dem Hund einmal Schmerzmittel zu verordnen und dann in regelmäßigen Abständen eine neue Packung Schmerzmittel an den Tierhalter abzugeben. Erstens ist es wichtig, ab und an den klinischen Zustand des Patienten zu überprüfen und dabei festzustellen, ob die Medikation noch angemessen ist oder ob eine individuelle Dosisanpassung notwendig wird. Zweitens sollten in regelmäßigen Abständen das Blutbild sowie Leber- und Nierenwerte überprüft werden. Diese Organe sind für die Medikamentenumsetzung im Körper und für die Ausscheidung zuständig. Ihre Funktion muss also kontrolliert werden. Ein nierenkranker Hund, für den ein Leben ohne Schmerzmittel nicht lebenswert ist (Nutzen-/Risikoabwägung), benötigt eventuell nur ein Drittel der üblichen Dosis eines Schmerzmittels, da bei ihm die Ausscheidung nur langsam erfolgt.

 

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Schmerztherapie
Auch andere Verfahren, wie die Akupunktur oder die Neuraltherapie, können zur Schmerzbehandlung eingesetzt werden. Zu Recht im Aufwind ist die Physiotherapie bei Hunden mit Störungen und Schmerzen des Bewegungsapparates. Fehlhaltungen und Muskelatrophie aufgrund chronischer Schmerzen sind beim Hund ebenso anzutreffen, wie bei Menschen und daher können entsprechende Übungen bei Hunden hilfreich sein. Die Herausforderung für den tiermedizinischen Schmerztherapeuten besteht in einer maßgeschneiderten Kombination der zur Verfügung stehenden schmerzlindernden Verfahren.
Wichtig bei der medikamentösen Schmerzbehandlung ist die regelmäßige und pünktliche Gabe der passenden Schmerzmitteldosis. Andernfalls ist der Gewebespiegel des Schmerzmittels zeitweise zu niedrig. Es kommt zu Schmerzen mit all ihren Folgen (Veränderung der Schmerzrezeptoren, Zunahme der Schmerzempfindlichkeit) und die effiziente Bekämpfung wird immer schwieriger. Der Schmerz sollte unter der Behandlung also nie über ein bestimmtes Plateau hinausgehen, damit man ihn gut in den Griff bekommt.
Da ein sorgfältig gewähltes, korrekt dosiertes und modernes Schmerzmittel in der Regel gut verträglich für einen Hund ist, gilt der Grundsatz, lieber einmal zu viel als einmal zu wenig gegen Schmerzen zu behandeln. Und weil chronische Schmerzen so schlecht erkennbar sein können, dass erst der positive Effekt einer Schmerzbehandlung ihre Existenz beweist, ist es durchaus legitim, versuchsweise ein Schmerzmittel einzusetzen (die so genannte diagnostische Therapie).
Die Schmerztherapie eines chronisch schmerzkranken Hundes erfordert in hohem Maße die Mitwirkung seines Halters. Nur wenn ein Schmerzmittel in einer ausreichenden Dosis, zu den richtigen Zeiten und genügend lange gegeben wird und wenn seine Wirksamkeit anhand der Schmerzmessung regelmäßig überprüft wird kann es seine Wirkung entfalten. Andernfalls richtet der Schmerz weiteren Schaden an und muss mit immer stärkeren Mitteln bekämpft werden. Wird die Tablette ab und zu vergessen oder der Hund bekommt nur einen Teil seiner Dosis, weil der Tierhalter Angst vor Nebenwirkungen hat und dies nicht mit seinem Tierarzt bespricht, kann die Schmerztherapie nicht ausreichend sein, der Hund muss unnötige Schmerzen ertragen. Der intensive Austausch zwischen Tierarzt und Hundehalter sowie einfach anzuwendende Schmerzmittel sind folglich wichtige Instrumente in der erfolgreichen Bekämpfung von Schmerzen bei Hunden.


Schmerzen bei Katzen erkennen und behandeln

Bevor Sie weiter lesen, bitte ich Sie als Katzenhalterin und Katzenhalter den Beitrag noch einmal beiseite zu legen, die Augen zu schließen und sich genau zu erinnern, wann Sie das letzte Mal Schmerzen hatten. Wie fühlte es sich an? Was machte den Schmerz schwer erträglich? War er stark oder schwach, dumpf oder schneidend? Zermürbte und schwächte Sie der Schmerz oder machte er Sie aggressiv? Konnten Sie etwas gegen die Schmerzen unternehmen oder waren Sie ihnen hilflos ausgeliefert? Die Frage muss erlaubt sein, wie wir mit Schmerzen umgehen würden, wenn wir nichts über Krankheiten oder der Existenz von Ärzten oder Schmerzmitteln wüssten, so wie unsere Katzen.


„Quäle nie ein Tier zum Scherz, denn es spürt wie Du den Schmerz"

Als liebender Tierhalter sind Sie natürlich bereit, anzuerkennen, dass das, was Ihnen Schmerzen verursacht, auch bei Ihrer Katze Schmerzen hervorruft.
Dass dieser Analogieschluss nicht selbstverständlich ist, belegen die zahlreichen Diskussionen, die sich die Wissenschaft über das Thema „Schmerzen bei Tieren" in der Vergangenheit und auch heute noch liefern.
Das liegt in erster Linie natürlich daran, dass Tiere nicht verbal mit uns kommunizieren können. Sie können uns nicht mit Worten sagen, ob sie Schmerzen haben oder ein anderes Unlustgefühl, wie zum Beispiel Übelkeit oder Schwindel sie quält.
Vor allem Katzen zeigen Schmerzen häufig kaum oder nur indirekt. Daher ist es enorm wichtig für Katzenhalter und selbstverständlich auch für Tierärzte genaue Kenntnisse über das normale Verhalten gesunder Katzen zu besitzen. Nur wenn auch noch so geringfügige Änderungen im Verhalten auffällig werden, können daraus auch eventuell zugrunde liegende Schmerzzustände erkannt und behandelt werden.

Daher fordern die tierärztlichen Berufsverbände die Tierärzte dazu auf, Schmerzen bei ihren Patienten in der gleichen Weise zu behandeln, wie es in vergleichbaren Situationen bei Menschen üblich ist.
Dass dies bei akuten Schmerzen, beispielsweise nach einer Operation, selbstverständlich ist, wundert den liebenden Katzenfreund nicht. Wir werden jedoch später sehen, dass chronische Schmerzen bei Katzen oder Phänomene wie das so genannte „Schmerzgedächtnis" bereits viel schwierigere Fragen aufwerfen und großes Einfühlungsvermögen verlangen.
In alle Deutlichkeit möchte ich Sie jedoch darum bitten, anzuerkennen, dass Ihre Katze bei Erkrankungen, die gleichen Schmerzen spürt, die Sie spüren würden. Ihre Katze zeigt es Ihnen vielleicht nicht, aber das bedeutet in keinem Falle, dass es ihr nicht weh tut.

 

Die Schutzfunktion des akuten Schmerzes
Es gibt eine internationale Vereinigung zum Studium des Schmerzes (IASP), deren Existenz bereits verdeutlicht, dass es - auch beim Menschen - noch viele ungeklärte Fragen zu diesem Thema gibt. Die IASP definiert das Phänomen Schmerz als „ eine unangenehme sensorische und emotionale Erfahrung, die von einer vorhandenen oder potentiellen Gewebeschädigung hervorgerufen wird". Daher wurde der Schmerz im antiken Griechenland auch als „bellender Wächter der Gesundheit" bezeichnet. Das mag für den akuten Schmerz zutreffen. Erfahrungen mit einer heißen Herdplatte machte schon so manches Kätzchen und der Schmerz bewahrte es vor lebensbedrohlichen Verletzungen. Der Schmerz hat also eine wichtige Schutzfunktion, ein gebrochenes Pfötchen beispielsweise wird geschont.
So kennen wir den scharfen, stechenden Schmerz bei Verletzungen oder Entzündungen der Haut, den kutanen Schmerz. Eher dumpf und ziehend ist dagegen der so genannte viszerale Schmerz. Dieser Eingeweideschmerz betrifft die inneren Organe und ist häufig schwer zu lokalisieren. Wächst beispielsweise ein Tumor in der Leber, dann wird die Organkapsel gedehnt und durch Größenzunahme werden die anderen Eingeweide verdrängt. Er verursacht einen anhaltenden Tiefenschmerz.
Wenn ein Gewebe verletzt wird, nehmen Schmerzrezeptoren, die Nozizeptoren, den Reiz auf und leiten ihn mit Hilfe von Nervenimpulsen weiter über das Rückenmark an das Gehirn. Wie stark eine Gewebeschädigung, sei es durch Hitze, Kälte oder eine Verletzung, sein muss, um die Nozizeptoren zu reizen, ist bei allen Säugetieren in etwa gleich. Das wissen wir aus der vergleichenden Anatomie, Physiologie und Psychologie.


Angst und Schmerzen
Anders dagegen verhält es sich mit der Schmerztoleranzschwelle. Die ist individuell sehr verschieden. So wie ein Mensch bei einem Tritt gegen das Schienenbein tapfer keine Miene verzieht, während der nächste beim gleichen Tritt bereits weint, so individuell ist auch die Schmerztoleranzschwelle unserer Katzen. Ein und dieselbe Injektion wird von Katzen entweder ohne zu Zucken ignoriert oder mit Fauchen und Kratzen quittiert. Daher verhalten sich Katzen beispielsweise bei der Impfung häufig sehr unterschiedlich.
Was wir beobachten können, ist lediglich die Reaktion auf einen Reiz. Vom Verhalten der Katze schließen wir, dass es schmerzhaft gewesen sein muss. Wir erkennen den Schmerz nur am Verhalten der Katze und das ist zum einen von ihrer Schmerztoleranzschwelle, aber auch von ihrer jeweiligen Gemütsverfassung abhängig.
Wechseln Sie beispielsweise Ihre Tierärztin und Ihre Katze reagiert deutlich weniger auf die Impfung als beim letzten Mal, so könnten Sie meinen, die neue Tierärztin ist sanfter im Verabreichen von Spritzen als ihre Vorgängerin. Auch wenn das Lob schmeichelt, es können die Umstände sein, die dafür verantwortlich sind, nicht die Spritztechnik. Vielleicht wurde Ihre Katze anlässlich der letzten Impfung bereits im Wartezimmer durch langes Warten und Hundegebell gestresst. Dann ist sie eventuell noch mit einer Kralle beim Herausnehmen aus dem Korb hängen geblieben. Nun ist ihre Schmerztoleranzschwelle deutlich gesunken und die Impfung löst Abwehr- oder Meideverhalten aus.
Angst und Stress fördern Schmerzen. Diese negativen Gefühle soweit es geht zu verhindern oder gar abzubauen ist daher eine wichtige Maßnahme, Schmerzen zu lindern.
Für Hunde und Katzen getrennte Wartezimmer oder Termine, die lange Wartezeiten verhindern sind ebenso sinnvoll, wie eine ruhige, warme Umgebung und liebevoller Umgang mit den kleinen Patienten vor und nach Operationen. Bei kleineren schmerzhaften Eingriffen am nicht narkotisierten Patienten, wie zum Beispiel einer Abszessspülung, lohnt es sich, wenn die Besitzer sehr ängstlicher Katzen daheim ein Beruhigungsmittel verabreichen, damit Angst und Schmerz sich nicht summieren.


Chronische Schmerzen und Schmerzgedächtnis
Eine große Herausforderung ist es, chronische Schmerzen bei einer Katze zu erkennen. An dieser Stelle muss auch das Phänomen „Schmerzgedächtnis" erwähnt werden. Dauert ein akuter Reiz an einem Schmerzrezeptor etwas länger, so kann binnen kürzester Zeit eine Art „Schmerzbahn" zum Gehirn entstehen. Wir erinnern uns, dass Schmerzrezeptoren einen Reiz über Nervenimpulse an das zentrale Nervensystem weiterleiten. Dabei werden die Schmerzrezeptoren sensibilisiert. Sie können sich durch die erlebten Schmerzen vermehren und vergrößern. Darüber hinaus gehen spezielle, den Schmerz hemmende Nervenzellen durch erlittene Schmerzen teilweise unter. Die Folgen: es kommt zu einer dauerhaften Steigerung des Schmerzempfindens. Körpereigene Botenstoffe (Leukotriene) und spontane genetische Veränderungen spielen hierbei eine große Rolle. Diese Umformungsprozesse werden „neuroplastische Veränderungen des zentralen Nervensystems genannt". Sie bilden die Grundlage des chronischen Schmerzes. Hier hat der Schmerz seine Funktion als „bellender Wächter" verloren. Er kläfft sozusagen ohne Unterlass und wird zu einer eigenständigen Plage, einem krankhaften, nutzlosen und schwächendem Krankheitsbild. Noch schlimmer: der „Phantomschmerz", also ein Schmerz der dem Gehirn gemeldet wird, ohne daß das betreffende Körperteil überhaupt noch vorhanden ist. Der Phantomschmerz kann beispielsweise auch bei Katzen vorkommen, denen ein Bein oder der Schwanz amputiert werden musste.
Chronische Schmerzen bei Katzen sind nur durch genaue Beobachtung zu erkennen, da sie Monate oder Jahre anhalten und sich das Verhalten der Katze allmählich verändert.
Die Reaktion einer Katze auf diesen Reiz ist abhängig von ihrer individuellen Schmerztoleranzschwelle. Angst und Stress, also die momentane Gefühlsverfassung können den subjektiven Schmerz verstärken. Je länger die Schmerzen anhalten, desto mehr verändern sich die Nerven und umso schlimmer werden die Schmerzen.
Alles, was wir bei einer Katze wahrnehmen, ist lediglich ihre Reaktion. Die subjektive Komponente ist uns verschlossen. Wie stark der Schmerz sie quält bleibt uns verborgen.
Die Veränderbarkeit des Nervensystems durch Reize führt dazu, dass alleine eine Berührung, ganz ohne Schädigung des Gewebes oder sogar ein fehlendes Körperglied als schmerzhaft empfunden werden kann. Kommen dann noch psychische Stressfaktoren hinzu, wird alles noch schlimmer. Immerhin zeigen bei Chronisch Schmerzkranken neu entwickelte Psycho- und Verhaltenstherapien erstaunlich gute Erfolge. Ich schließe daraus, dass auch eine glückliche Katze Schmerz besser ertragen kann.


Warum wir Schmerzen bekämpfen müssen
Es gibt viele Gründe, Schmerzen zu bekämpfen und es gibt Gründe, Schmerzen als sinnvoll und wichtig hinzunehmen. So zum Beispiel, wenn sie vor drohendem Schaden bewahren, der heißen Herdplatte oder einer übermäßigen Belastung einer Sehne, die noch etwas geschont werden muss, damit sie sich von ihrer Dehnung erholen kann.
Aber wenn sich die ursprünglich sinnvollen, physiologischen Schmerzen durch neuroplastische und chemische Vorgänge zum eigenständigen Krankheitsbild der Chronischen Schmerzen entwickeln, richten sie nur noch Schaden an. Sie rauben dem Körper Energie, die er dringend für seine Wiederherstellung benötigt. Schmerzende Wunden werden benagt und beleckt und heilen schlechter. Da Schmerzen Stress bedeuten und Katzen Stress schlecht vertragen, können sich Folgeerkrankungen, wie die häufig zu beobachtende Magenschleimhautentzündung, einstellen. Verschmäht eine Katze in solch einer Situation das Futter, dann stellt sich die Frage, ob der kleine Patient nicht frisst, weil er zum Beispiel unter Zahnschmerzen leidet oder aber weil seine Magenschleimhaut dem Dauerstress der Schmerzen nicht gewachsen ist und rebellisch auf Futter reagiert.
Wissend, dass ein Dauerschmerz sich immer weiter hochschaukeln und in krankhafter Weise entarten und verselbständigen kann, ist es eine ethisch selbstverständliche Forderung, Schmerzen so weit als nur irgend möglich zu verhindern oder zu lindern.
Das gilt für den Menschen, die Katze und alle anderen Geschöpfe. Leider vergessen manche Menschen in dieser Beziehung, dass Ethik nicht teilbar ist und unterscheiden zwischen so genannten „Bratpfannenaspiranten" und ihren Hausgenossen. Dass natürlich auch Mäuse und in hohem Maße auch Vögel ein ausgeprägtes Schmerzempfinden haben, darüber möchte der Tierfreund und Katzehalter am liebsten nicht nachdenken! Selbst Miesmuscheln reagieren, werden sie mit Zitronensaft beträufelt, mit der Ausschüttung von Endorphinen. Endorphine sind auch den Säugetieren innewohnende körpereigene Substanzen, die einzig dem Zweck dienen, Schmerzen erträglicher zu machen!
Schmerzschwelle, Schmerztoleranzschwelle, Schmerzgedächtnis...- dies mag etwas kompliziert klingen, es ist von großem Nutzen, will man seiner Katze Schmerzen ersparen. Neben der Früherkennung von Krankheiten ist eines der wichtigsten Argumente für regelmäßige Kontrolluntersuchungen der Katze das Entlarven versteckter Schmerzzustände. Rücken- und Zahnschmerzen werden meistens im Rahmen der jährlichen Impfuntersuchung aufgedeckt und häufig ist die Überraschung für die Katzenhalterinnen/die Katzenhalter groß.


Sind Schmerzen messbar?

Aber wie lassen sich Schmerzen feststellen und wie lässt sich der Schmerzgrad messen. Selbst beim Menschen, der sich doch klar äußern kann, gibt es eine Reihe verschiedener Verfahren die Stärke des Schmerzes zu messen (Algesimetrie). Verschiedene Verfahren bedeutet in der Regel: optimal ist noch keines. Auf dem Weg von der den Schmerz empfangenden Zelle bis zum Gehirn, in dem der Schmerz bewusst wird, kann viel passieren. Von außen ist dieser Vorgang nicht erkennbar. Das Fühlen ist subjektiv und kann damit nicht objektiv gemessen werden. Schließlich kann man auch nicht sagen: „Ich habe Liebeskummer mit drei Punkten auf der Skala". Für Schmerz geplagte Menschen gibt es solche Skalen, dreidimensionale Skalen, visuelle Analogskalen und vieles mehr. Wie sonst sollte der Erfolg einer Schmerztherapie kontrolliert werden?
Wenn der Therapeut die Schmerzen eines Menschen daran bemessen wollte, wie viele Tage er bereits nicht mehr isst und seine Schmerztherapie solange als gelungen betrachtet, solange sein Patient noch herum läuft und ein wenig isst, wären wir entsetzt!
Genau das passiert jedoch häufig, weil Katzen nicht sprechen können. Katzen mit Schmerzen sitzen nicht am Boden, halten sich den Kopf und jammern. Sie stöhnen nicht leise vor sich hin oder wiegen ihren Körper vor und zurück um den Schmerz zu betäuben.
Ja, bei akutem Schmerz, da fauchen sie vielleicht, wenn man die schmerzende Stelle berührt. Sie knabbern, nagen und lecken an wehen Stellen. Sie gehen hungrig zum Futter und schrecken zurück, als säße ein Gespenst im Futternapf, wenn der Schmerz am Zahn sägt.
Aber eine Katze, die seit Monaten unter Rückenschmerzen leidet? Woran erkenne ich ihr Leid? Dieses kleine Bewegungswunder Katze läuft auch noch unter Beschwerden geschmeidig, bei denen unsereiner gebückt und schief den Gang entlang schlurft - die Hand stöhnend auf den Rücken gelegt.
Bei genauem Nachdenken fallen uns vielleicht manchmal vermeintliche Kleinigkeiten im Zusammenleben mit unserer Katze ein: „Ach ja, unsere Katze springt seit einem halben Jahr nicht mehr auf den Fenstersims. Sie ist eben alt geworden." Nein, alt ist sie mit zwölf Jahren eigentlich nicht wirklich, aber vielleicht hat sie ja Rückenschmerzen - und siehe da, wenn wir die Wirbelsäule abtasten, geht sie richtig in die Knie und zieht ruckartig die Haut zusammen, wenn wir in den Lendenwirbelsäulenbereich kommen.
Weil Katzen auf dem Behandlungstisch meistens besonders angespannt sind und wir wissen, dass Stress die Schmerztoleranzschwelle verändert, ist die Tierärztin in hohem Maße auf die Beobachtungsgabe der Katzenhalter angewiesen. Erschwerend kommt hinzu, dass viele sichtbare Zeichen von Schmerz bei Katzen identisch sind mit denen des Abwehrverhaltens und der Angstaggression, wie sie häufig in tierärztlicher Umgebung zu beobachten sind.
Bei Schmerz, aber auch bei Untersuchungsstress sind die Pupillen geweitet und die Ohren angelegt. Der Bauch ist hart und fest, wenn in bedrohlicher Umgebung nach langer Autofahrt ein Fremder es wagt, in intimster Weise, den Leib zu berühren. Das müssen keine Schmerzen sein.

 

Möglichkeiten der Schmerzerkennung bei Katzen
Der Tierarzt hat also folgende Möglichkeiten, um einen schmerzhaften Zustand zu erkennen: Er berührt und tastet die Katze ab und zieht aus ihrer Reaktion Rückschlüsse. In zweifelhaften Fällen instruiert der Tierarzt den Katzenhalter, die gleiche Prozedur in der gewohnten häuslichen Umgebung zu wiederholen, um ein unverfälschtes Ergebnis zu erzielen.
Abgeleitet von Bewertungssystemen bei Menschen existieren auch für Katzen richtungsweisende Skalen zu Beurteilung der Schmerzhaftigkeit. Fehleinschätzungen lassen sich jedoch niemals vermeiden, da die kleinen Patienten bereits durch die Manipulation gestresst sein können und jede Katze anders reagiert.
So werden die Pupillenweite, die Herz- und Atemfrequenz, etwaiges Speicheln oder Lautäußerungen, wie auch die Reaktionen auf verschiedene Druckstärken bei Berührung zur Beurteilung herangezogen.
Häufig reagieren Katzen bei Berührung einer frischen Kastrationswunde kaum. Der Schmerzgrad liegt bei 2. Ein großer Abszess im Backenbereich dagegen darf kaum berührt werden. Die Katze toleriert nicht einmal die Nähe der Hand am Kopf und faucht, wenn sich die Hand nähert, ohne die Katze auch nur zu berühren. Hier muss von einem Schmerz der Stärke 5 ausgegangen werden. Er ist mit Sicherheit behandlungswürdig, das heißt es sollte unbedingt ein Schmerzmittel verabreicht werden.

Deutlich schwieriger hingegen ist es, wie bereits gesagt, eine chronisch schmerzkranke Katze zu erkennen. Wir dürfen nicht vergessen: die Katze weiß nicht, dass Schmerzen ein unnormaler Zustand sind, dass es Abhilfe geben kann und die Schmerzen auch wieder verschwinden können. Bei allem Respekt vor den Fähigkeiten einer Katze, sie weiß nur, dass es so nicht gut ist und findet sich mit ihrem Zustand ab. Vielleicht will sie den Schmerz fliehen, sie wird depressiv, aggressiv, resigniert, übellaunig, traurig.
Daher höre ich nach einer lang fälligen und gelungenen Zahnoperation häufig: „sie ist wieder lustiger" und das ist dann der schönste Lohn, den man sich vorstellen kann. Chronisch schmerzkranke Katzen ändern ihr Verhalten viel dezenter als Katzen mit akuten Schmerzen. Häufig wird das durch Schmerzen veränderte Verhalten chronisch kranker Katzen erst rückblickend nach erfolgreicher Schmerztherapie offensichtlich, wenn sich der Zustand gebessert hat.
Welches Verhalten Ihrer Katze könnte nun auf einen anhaltenden Schmerzustand hinweisen?
Grundsätzlich sollte jede Änderung des Verhaltens misstrauisch stimmen.
Wenn Ihre Katze Sie abends nicht mehr an der Tür begrüßt oder nicht wie gewohnt auf das Sofa springt, den Kratzbaum meidet, ihr Lieblingsspielzeug unbeachtet lässt, viel schläft, dabei eine sonst nicht übliche Körperhaltung einnimmt oder unruhig wirkt, dann sollten bei Ihnen die Alarmglocken läuten. Katzen die nicht oder wenig fressen oder keine Körperpflege mehr betreiben, müssen unbedingt ärztlich untersucht werden. Oft fressen Katzen mit chronischen Schmerzen aber nur unmerklich weniger, was in einem Mehrkatzenhaushalt eventuell nicht weiter auffällt. Daher ist es sinnvoll, seine Katzen regelmäßig zu wiegen, denn häufig ist ein stetiger Gewichtsverlust das einzige Anzeichen für Schmerzen. Auch ein kleines „Miau" ab und zu kann Ihnen sagen wollen: „mir tut etwas weh!". Leben Katzen mit Artgenossen zusammen, dann können auch hinter Beziehungskrisen Schmerzen stecken. Nicht immer ist das kahl geleckte Bäuchlein ein Kummerbäuchlein (psychogene Alopezie), es können auch einmal chronische Rückenschmerzen Auslöser für diese Lecksucht sein.
Wenn Sie solche und ähnliche Beobachtungen machen, sollten Sie dies mit Ihrer Tierärztin / Ihrem Tierarzt besprechen. Weil eine Katze sich in der Praxis häufig völlig anders verhält als zu Hause, sind die Therapeuten sehr auf Ihre Mithilfe angewiesen, wenn es darum geht, ob eine Katze unter chronischen Schmerzen leidet und um den Erfolg einer eingeleiteten Schmerztherapie zu kontrollieren.


Wo tut´s am meisten weh?
Die unterschiedlichen Organe und Gewebe sind auch sehr unterschiedlich schmerzempfindlich. In zahlreichen Untersuchungen konnte herausgefunden werden, welche Körperteile besonders sensibel und welche eher unempfindlich sind. Das Alter der Katze spielt übrigens keine Rolle! Entgegen früherer Meinungen ist bekannt, dass Jungtiere ebenso schmerzempfindlich sind wie erwachsene Katzen.
Das Wissen um die unterschiedliche Sensibilität der verschiedenen Körperteile kann sehr gut zur Beurteilung herangezogen werden, wenn es darum geht zu entscheiden, ob und wie sehr eine Katze unter Schmerzen leidet. So enthält die Hornhaut 300 bis 600 Mal mehr Nervenzellen als die Körperhaut. Ein Hornhautgeschwür der Katze, wie es bei Herpesinfektionen vorkommen, kann darf also niemals unbehandelt bleiben. Auch die Nervenzellen der Zahnhöhle übertreffen bei weitem die der Haut, bis zum vierzigfachen!
Das scheint mir besonders erwähnenswert, weil ich täglich damit konfrontiert werde, dass Katzenhalterinnen/ Katzenhalter mir nicht glauben, dass ihre Katze unter Zahnschmerzen leidet. „Sie frisst doch noch, unserem Liebling schmeckt es doch!" Aber auch der Gepard und der Löwe, die häufig wie ihre zahmen Verwandten unter starken Zahnproblemen leiden, fressen trotzdem. Was sollen sie sonst tun? Der Überlebenstrieb ist groß und wegen ein paar Löchern im Zahn will doch keiner verhungern. Katzen wissen nicht, dass es Zahnmedizin gibt, aber sie wollen schlicht und einfach überleben.
Die äußere Haut ist ebenfalls sehr sensibel gegenüber Schmerzreizen, aber noch empfindlicher sind innere Häute, die serösen Membranen. Sie kleiden die Körperhöhlen aus und überziehen die Organe. Innere Organe und die Muskulatur reagieren besonders auf Zustände, bei denen die Blutversorgung unterbrochen wird mit Schmerzen. Koliken oder Muskelkrämpfe sind die Folge und können höchst unangenehm sein. Während das Knochengewebe und die Gelenke im Allgemeinen sehr unempfindlich sind (es sei denn, es herrschen starke Entzündungen in diesen Strukturen), verhalten Nervengewebe sich sehr verschieden. Während die äußerlich gelegenen Nerven und das Rückenmark sehr sensibel sind, ist das Gehirn wenig empfänglich für Schmerzreize.
Aus diesen physiologischen Gegebenheiten kann ein Tierarzt den Grad der Schmerzen einer Katze allein an der Lokalisation des Schadens erkennen.


Neue Waffen im Kampf gegen Schmerzen
Momentan findet in der Schmerzbekämpfung bei Katzen eine kleine Revolte statt. Morphine, mitunter die leistungsfähigste Gruppe bei den Schmerzmitteln, die wir kennen, werden zunehmend auch bei Katzen eingesetzt. Dies war noch vor wenigen Jahren ein Tabu, da man meinte, Morphine würden von Katzen nicht vertragen. Das lag allerdings nur daran, dass sie bei den ersten Versuchen in Dosierungen verabreicht wurden, wie dies beim Hund üblich ist und das war in etwa zwanzig Mal zu hoch dosiert. Derart überdosierte Katzen fielen in einen Morphiumwahn, der sehr beängstigend war. Aus diesem Grunde wurde den Katzen leider lange Zeit eine ansonsten sehr gut verträgliche und nebenwirkungsarme Methode der Schmerzbekämpfung vorenthalten. Morphine wirken besonders gut auf Eingeweide- und Tumorschmerzen und sind hierbei allen anderen Schmerzmitteln überlegen. Morphine gehören arzeneimittelrechtlich zu den Betäubungsmitteln und dürfen daher nur von Ärzten verschrieben werden.
Am häufigsten werden bei der Katze Schmerzmittel eingesetzt, die wir „Nichtsteroidale Entzündungshemmer" (NASID) nennen. Sie hemmen bestimmte Substanzen (Prostaglandine), die bei der Entstehung von Entzündungen und Schmerzen von Bedeutung sind. Bitte geben Sie Ihrer Katze nicht irgendein Schmerzmittel, dass Sie selber nehmen. Katzen haben einen etwas anderen Leberstoffwechsel als wir und können daher bestimmte Substanzen schlecht abbauen. Es kann zu Vergiftungen kommen.
Bei der Verabreichung dieser Nichtsteroidalen Entzündungshemmer ist die genaue Dosierung sehr wichtig. Jungtiere bis zum dritten Lebensmonat müssen niedriger dosiert werden, da die Leber noch nicht so gut arbeitet. Bis zum sechsten Lebensmonat dagegen ist die Dosierung höher zu wählen, weil die Leber auf Hochtouren arbeitet. Nieren- oder Leberkranke Katzen erfordern eine individuelle Dosierung oder es muss auf Morphine zurückgegriffen werden, da diese die geringste Nebenwirkung auf diese Organsysteme haben.
Auch andere Verfahren, wie die Akupunktur oder die Neuraltherapie, können zur Schmerzbehandlung eingesetzt werden.
Wichtig bei der Schmerzbehandlung ist die regelmäßige und pünktliche Gabe der passenden Schmerzmitteldosis. Andernfalls ist der Gewebespiegel des Schmerzmittels zeitweise zu niedrig. Es kommt zu Schmerzen mit all ihren Folgen (Veränderung der Schmerzrezeptoren, Zunahme der Schmerzempfindlichkeit) und die effiziente Bekämpfung wird immer schwieriger. Der Schmerz sollte unter der Behandlung also nie über ein bestimmtes Plateau hinausgehen, damit man ihn gut in den Griff bekommt.
Da ein sorgfältig gewähltes, korrekt dosiertes und modernes Schmerzmittel in der Regel gut verträglich für eine Katze ist, gilt der Grundsatz, lieber einmal zu viel als einmal zu wenig gegen Schmerzen zu behandeln. Und weil chronische Schmerzen so schlecht erkennbar sein können, dass erst der positive Effekt einer Schmerzbehandlung ihre Existenz beweist, ist es durchaus legitim, versuchsweise ein Schmerzmittel einzusetzen (diagnostische Therapie). Das gilt auch und gerade bei der Katze, die es uns teilweise besonders schwer macht, ihr Leiden zu erkennen. Wie wichtig die effiziente Schmerzbekämpfung besonders in der Chirurgie ist und warum sie über Erfolg und Misserfolg einer Operation entscheiden kann, können Sie im Fachbereich Narkose / Operationen lesen. Dort wollen wir uns etwas näher mit der Narkose der Katze beschäftigen, deren Hauptanliegen unter anderem die völlige Schmerzausschaltung ist.